Rundgang

"Historische Altstadt Bleicherode"

Bleicherode entstand in der Zeit der Rodungen, die im Gebiet der Hainleite und der Bleicheröder Berge bereits im 8. Jahrhundert vorgenommen wurden. Besiedelt war das Gebiet um den Ort schon in frühgeschichtlicher Zeit. Die erste urkundliche Erwähnung der Rodesiedlung war um 1130. Im Juni 2005 erlebte die Stadt die Festwoche anlässlich der 875-Jahr-Feier, die mit einem großen Festumzug endete.

Bleicherode besitzt einen historischen Stadtkern, der auf der Grundlage des Thüringer Denkmalschutzgesetzes als Denkmalensemble "Historische Altstadt Bleicherode" unter Schutz gestellt wurde. Während des 30jährigen Krieges brandschatzten die Pappenheimer Truppen die Stadt. Dadurch sind die Fachwerkhäuser meist aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert vorzufinden. Einzelne Objekte aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert sind vom fränkischen Fachwerk geprägt.

Bleicheröder Rathaus

Einen Rundgang durch die Bleicheröder Innenstadt beginnen Sie am Rathaus. Es wurde in den Jahren 1540/41 durch den Baumeister Wedler erbaut, besonders auffällig ist die schmucke restaurierte Außenfassade mit dem Bleicheröder Wappen (Stadtrecht seit 1331). Das Wappen zeigt einen geharnischten Ritter mit dem Hohensteiner Schachschild in der linken Hand und mit einem in der Scheide befindlichen Schwert in der rechten Hand.

Nachdem die Pappenheimer Truppen es 1632 bis auf die Grundmauern niedergebrannt hatten, wurde es 1633/34 wieder aufgebaut. Hier hielten die Hohensteiner Stände ihre Sitzungen ab. Bis zum Bau des Amtsgerichtes wurde im Rathaus Gericht gehalten.

Im August 1997 konnten die umfangreichen Sanierungsarbeiten der Außenfassade abgeschlossen werden. Sie bestanden vor allem aus dem Einbau denkmalgerechter Fenster im Erd- und Obergeschoss und aus der kompletten Überholung der historischen Bleiglasfenster. Außerdem wurde die Schiefervorhangfassade einschließlich Unterbau rekonstruiert und Reparaturen an der tragenden Fachwerkkonstruktion ausgeführt. Einen Abschluss fand diese Sanierungsetappe mit der Sicherung des Natursteinmauerwerks im Erdgeschoss.

Sehr gern lassen sich Brautpaare, die im Bleicheröder Rathaus getraut werden, vor diesem schönen historischen Gebäude fotografieren.

Im Rahmen eines gelungenen historischen Stadtfestes wurde am 10. September 2011 der Schneckenhengst am Bleicheröder Rathaus enthüllt. Hunderte Schaulustige waren gekommen, um der Enthüllung der Eichenholzfigur beizuwohnen.
Die Interessengemeinschaft Schneckenhengst hat es mit viel Enthusiasmus, Heimatliebe und großem Durchhaltevermögen geschafft, dem Wahrzeichen von Bleicherode einen gebührenden Rahmen zu geben.

Rathausplatz

In den Jahren 2005 und 2006 wurde auch der Rathausplatz grundhaft saniert.

Gegenüber dem Rathaus wurde 2006 in die Pflasterung des Rathausplatzes ein Pflasterkreis eingearbeitet, der eine Schnecke darstellt. Hier wird an den Spottnamen der Bleicheröder, die als "Schneckenhengste" bezeichnet werden, erinnert. Jedes Jahr am 11.11. erfolgt als Abschluss des Umzuges der Karnevalisten durch die Stadt vor dem Rathaus die symbolische Schlüsselübergabe des Rathausschlüssels an den Bleicheröder Carneval Club durch den Bürgermeister.

Neben dem Rathaus befindet sich der Ratskeller, in welchen 1754 König Friedrich II. einkehrte, als er der Stadt Bleicherode einen Besuch abstattete.

Geburtshaus des Herrn Prof. Dr. August Petermann

Schräg gegenüber dem Rathaus, Neue Straße Nr. 3, sehen Sie das Geburtshaus des bedeutendsten Sohnes der Stadt, Prof. Dr. August Petermann.

Er war einer der populärsten Geografen des 19. Jahrhunderts. Ihm gebührt der Ruhm, die Lithografie und Kartografie bei der Herstellung von Landkarten zu einer Meisterschaft entwickelt zu haben. Petermanns ungemein reger Geist hat ihn auf drei Gebieten berühmt gemacht. Er war Kartograf und Schriftsteller, besondere Verdienste hat er sich bei der Erforschung unbekannter Gebiete der Polarwelt und Mittelafrikas erworben.

Für seine großen Leistungen wurde er mit der Großen Goldenen Medaille der Königlichen Geographischen Gesellschaft zu London geehrt.

Gedenkstein zum Gedenken an Herrn Prof. Dr. August Petermann

Ein bleibendes Denkmal setzte ihm aber auch die Nachwelt, denn noch heute tragen Höhenzüge, Vorgebirge, Inseln und Flüsse und sogar ein Krater auf dem Mond seinen Namen. Ihm zu Ehren wurde 1909 an seinem Geburtshaus eine Gedenktafel enthüllt.

Weiterhin erinnern an ihn ein im Jahre 2008 restaurierter Gedenkstein in der Barbarastraße und der Naturlehrpfad "August Petermann" in den Bleicheröder Bergen sowie die gleichnamige Grundschule.

Alte Kanzlei

Nun gehen Sie die schmale Gasse hinter dem Rathaus entlang bis Sie links in die Hauptstraße gelangen. Weiter gehen Sie die Hauptstrasse entlang in westlicher Richtung zur Alten Kanzlei, die Sitz der gräflichen Regierung war. Sie wurde 1721 vom Schultheiß Stöckelmann auf den Fundamenten eines 1632 zerstörten Gebäudes errichtet. Das Gebäude war Amts- und Wohnhaus ebenso wie ein landwirtschaftlicher genutzter Ackerbürgerhof. Ab 1792 dienten zwei Räume im Obergeschoss der jüdischen Gemeinde als Synagoge.

Im Jahre 2007 wurde das Hauptgebäude komplett saniert. Das für Bleicherode wichtige historische Gebäude in der Oberstadt konnte im neuen Glanz den Besuchern präsentiert werden.

2008 wurde das Ensemble mit dem Denkmalschutzpreis des Landes Thüringen geehrt.

Stadtbibliothek

Im Untergeschoss der Alten Kanzlei, welches auch für Rollstuhlfahrer zu erreichen ist, befindet sich die moderne Stadtbibliothek.

In der gesamten oberen Etage des Gebäudes wird eine umfassende Dokumentation zur 400jährigen jüdischen Geschichte der Stadt gezeigt.

Ausstellungsräume im Scheunenanbau

Im Jahre 2008 wurde auch der Scheunentrakt ebenfalls nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten komplett saniert. 2010 wurde der gesamte sanierte Gebäudekomplex im Rahmen eines Bürgerfestes der Öffentlichkeit übergeben.

In den restaurierten Räumen des Scheunenanbaues sind eine Ausstellung zur Geschichte der Weberei der Stadt Bleicherode und eine Ausstellung über bedeutende Persönlichkeiten der Stadt Bleicherode, wie Prof. Dr. August Petermann, zu sehen.

Börnchen – Ältester Brunnen der Stadt

Nun gehen Sie die Hauptstraße weiter, bis Sie in die zweite Straße links in die Walkenriedstraße einbiegen. Die Häuser der Walkenriedstraße 5, 6 und 9 gehörten zum Walkenrieder Hof.

Am 28. Oktober 2009 konnte die Walkenriedstraße nach erfolgter Sanierung den Anwohnern übergeben werden. Hier befindet sich der älteste Brunnen der Stadt, das Börnchen, welches ebenfalls saniert wurde und sich seit dem Altstadtbrunnenfest 2008 im neuen Gewand präsentiert. Seinen Zufluss erhält der Brunnen vom Fuße des Windoldskopfes und dem Bleichbach.

Hagensches Haus

Von der Ölstraße geht es über die Hauptstraße zum Hagen mit dem Hagenschen Haus, welches ein ehemaliges Wohnhaus der Gräfin von Hagen war.

Auf dem Grundstück befinden sich Reste der ehemaligen Stadtmauer, des Zinsturmes und des Zinshauses.

Der Hagen ist der älteste Stadtteil von Bleicherode. Hier befinden sich auch die ältesten Häuser der Stadt.

Heimatmuseum der Stadt Bleicherode

Sie begeben sich zurück in die Hauptstraße, welche Sie entlang am Rathaus bis auf Höhe der Kirche gehen. In dem Haus Nr. 56 befindet sich das Heimatmuseum der Stadt Bleicherode. Es ist das Geburtshaus von Adalbert Merx. Dieser hatte sich mit der Erforschung orientalischer Sprachen einen Namen gemacht. Er forschte und lehrte an den Universitäten Jena und Gießen und seiner Hauptwirkungsstätte, in Heidelberg. Das Heimatmuseum mit ca. 300 m² Ausstellungsfläche befindet sich in einem ehemaligen Ackerbürgerhof, in welchem auch andere interessante Persönlichkeiten von Bleicherode, so z. B. Anna Billich (Mundartdichterin) und Hans-Joachim Diedrich (Chronist), lebten.

Gildebaum

Zum "Tag des offenen Denkmals" im Jahr 2007 wurde auf dem Parkplatzgelände des Heimatmuseums der Gildebaum errichtet und eingeweiht. 

Der Gildebaum mit 27 Zunftzeichen soll Werbung für das Handwerk sein, Werbung zum "Anfassen", damit Schulabgänger diesen oder jenen Handwerksberuf erlernen.

Die einzelnen Gewerke sind auch namentlich am Gildebaum abzulesen.

Ev. Luth. Kirche "St. Marien" Bleicherode und Pfarrhaus

In dem ursprünglich romantischen Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert sind vier Baustile- Romantik, Gotik, Renaissance und Barock gegenwärtig. Die Kirche ist eine der größten Kirchen der Region.

Gegenüber befindet sich das evangelische Pfarrhaus mit einer reichen Holzarchitektur im niedersächsischen Balkenstil, welches im Jahre 1695 erbaut wurde.

Zierbrunnenplatz

Wenn Sie nun über die Kreuzung gehen, gelangen Sie in den unteren Bereich der Hauptstadt, wo Sie auf den Zierbrunnenplatz mit dem 1997 neu gestalteten Brunnen treffen. Zum "Osterspaziergang 2009" wurde dieser Brunnen in österlicher Aufmachung geschmückt und bot den über zehntausend Besuchern einen herrlichen und unvergesslichen Anblick.

Dieser Ort wurde ebenso wie heute schon im Mittelalter als Marktplatz genutzt. Der Zierbrunnenplatz wurde auch nach der Wende neu gestaltet und im September 1997 erfolgte, anlässlich des historischen Straßenfestes, die feierliche Übergabe.

Jedes Jahr finden hier der Weihnachtsmarkt mit der bekannten Bergmannsweihnacht und viele andere Veranstaltungen statt.