Stadtgeschichte

Seine erste urkundliche Erwähnung fand das Straßendorf „Blicherode“ um 1130, besiedelt war das Gebiet allerdings schon in frühgeschichtlicher Zeit, davon zeugen eine Wallburg auf dem Aaskehren und andere historischer Denkmale.
Bleicherode gehörte zu dem Teil des Thüringer Reiches, das nach der Zerstörung des Thüringer Königssitzes Scheidungen (heute Burgscheidungen an der Unstrut im Jahre 531 durch die verbündeten Franken und Sachsen von ostfälischen Sachsen erobert wurde. Etwa 250 Jahre später wurde das Gebiet dem Fränkischen Reich angegliedert.

Heinrich der IV. von Hohnstein erwarb 1303 Bleicherode und verlieh dem Ort 1322 begrenzte Marktrechte. 1326 wurde die Ortschaft erstmals als Stadt erwähnt und durfte ein eigenes Siegel und Wappen führen. Im Jahre 1442 wurde in Bleicherode eine Leineweberzunft gegründet, 1503 die ersten Stadtstatuten erlassen und im gleichen Jahr wurde erstmals ein Spital erwähnt.

Unter dem Bürgermeister Heinrich Heise erfolgte 1540/41 der Bau des städtischen Rathauses, auf dessen Grundmauern das nach dem 30-jährigen Krieg zerstörte, danach wiedererrichtete und bis heute erhaltengebliebene bzw. restaurierte Rathaus steht.
Im 30-jährigen Krieg wurde Bleicherode durch Truppen des Grafen von Pappenheim am 3. Oktober 1632 geplündert und in Brand gesteckt. Da die Landwirtschaft, Leineweberei und das Handwerk infolge der Kriegseinwirkungen darniederlagen, führten die Bleicheröder als Notgewerbe die Schneckenzucht ein und tragen seit dieser Zeit den Spitznamen „Schneckenhengste“.
Im Jahre 1648 kam Bleicherode unter brandenburgische Herrschaft und wurde 1701 direkt dem preußischen König unterstellt. Der Preußenkönig Friedrich II. besser bekannt als der „Alte Fritz“, besuchte 1754 die Stadt und gab Impulse für Förderung der Textilindustrie, sodass bald die ersten Manufakturen entstanden.

Am 18. April 1822 wurde in Bleicherode der bedeutendste Sohn der Stadt, Prof. Dr. August Petermann geboren. Er war einer der bedeutendsten Kartografen seiner Zeit. „Asie centrale“, so hieß die erste selbständige Arbeit, die er für Alexander von Humboldt 1843 erstellte. Er war in Potsdam, Edinburgh und London tätig, ehe er aufgrund seiner umfangreichen Kenntnisse von den Gebrüdern Perthes nach Gotha geholt wurde und im dortigen kartografischen Verlag seine Tätigkeit fortsetzte. In den späteren Jahren widmete er sich der Erforschung der Polargebiete. Am 25. September 1878 verstarb Petermann. Sein Name wurde bisher in elf geografischen Benennungen auf der Erde und dem Mond verwendet.

Nachdem 1888 im Raum Bleicherode Kalilager nachgewiesen worden waren, teufte man im August 1899 den ersten Schacht ab und bis 1990 prägte die Kaliindustrie nachdrücklich das Leben der Stadt und des Umlandes.
Mit dem städtischen Elektrizitätswerk (erbaut 1903), der Gründung der Überlandzentrale Südharz (1911) und dem Bau des Kraftwerkes Bleicherode-Ost wurde die Energiewirtschaft ebenfalls ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Angeregt durch die herrliche Lage der Stadt errichtete der Heilpraktiker Karl Keilholz 1900 eine Kneipp-Kuranstalt und im Jahre 1911 erhielt Bleicherode bis zum 2. Weltkrieg den staatlichen Modus eines Luftkurortes.
Nach dem 1. Weltkrieg erblühten nicht nur Industrie, Handel und Handwerk, sondern auch das geistig-kulturelle Leben sehr vielfältig in der Stadt. 1930 erfolgte die Einweihung des städtischen Freibades und später des Lichtspieltheaters. Beide Einrichtungen erfreuen sich noch heute großer Beliebtheit.

Nach der Wiedervereinigung im Jahre 1990 verschwand die auf eine mehr als 500-jährige Tradition zurückblickende Textilindustrie, und der bedeutendste Arbeitgeber der Region, das Kaliwerk, stellte seine Produktion ein.

Mit Energie und Tatkraft wurden durch die Verantwortlichen der Stadt Gewerbegebiete erschlossen und Investoren gewonnen, so dass es zwar wirtschaftlich bergauf geht, aber bei weitem noch nicht in dem gewünschten Rahmen.

Wie kamen die Bleicheröder zu dem Namen "Schneckenhengste"?
Nachdem die Stadt im Dreißigjährigen Krieg durch die Plünderungen und den verheerenden Brand fast vollständig zerstört war, begannen die Menschen aus der Not heraus, in den verödeten Weinbergen Weinbergschnecken zu züchten und zu verkaufen. Als wieder einmal ein Händler mit seinen Weinbergschnecken zum Verkauf gen Leipzig fuhr, wurden die Schnecken durch die warme Frühlingssonne geweckt und konnten nicht mehr verkauft werden. 

So kamen der Händler und in Folge dessen auch alle Bleicheröder zu dem Spottnamen "Schneckenhengste".