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Historische Flurbegehung

 

Bleicherode als Ackerbürgerstadt
- Die historische Flurbegehung -
 
Die Geschichte der Bleicheröder Ackerbürger begann mit der Rodung um
und in den Bleicheröder Bergen und durch Melioration der Sumpfgebiete in
den Bode– und Wipperauen durch die weltliche und geistige Macht aber auch durch freie Bürger.
Es entstand kirchlicher und adliger Landbesitz der zu meist durch Unfreie
bewirtschaftet wurde.
Der Ackerbau und die Viehhaltung war die Haupteinnahme und die Beschäftigungsquelle in der Region.
Erst mit der Ertragssteigerung konnten sich durch Arbeitsteilung Handwerker
und andere Dienstleister entwickeln.
Die Landwirtschaft blieb über viele Jahrhunderte der Hauptwirtschaftszweig in
Bleicherode. Die Bedeutung kam auch in den jährlichen festlichen
Flurbegehungen zum Ausdruck.
Das Fest der Flurumgänge:
In der frühgeschichtlichen Zeit wurden im Frühjahr und im Herbst nachdem Stand der Feldfrüchte die Flurumgänge durchgeführt und wurden zu echten bäuerlichen Festen. Um 1500 wurden sie zu Grenzkontrollgängen der Bauern.
Im § 34 der Landesordnung aus dem Jahr 1591 bestimmte Graf Heinrich von Stolberg für das Amt Honstein:
 
„... dass eine jede Gemeinde alle Jahre den letzten Feiertag der Ostern nach abgehaltener Predigt ihre Flur ganz umgehen, die Irrungen, die einer wider den anderen hat und wo der Gemeinde zu nahe gepflügt, ordnen und nach Befinden der Verbrecher um 5, 10, 15 Gulden strafen soll auch wohl eine Tonne Bier vertrinke...."
Ähnliche Anordnungen ergingen von den Grafen von Honstein für unsere Stadt. In Bleicherode fand im April oder Mai ein Flurumgang statt. Es war ein Festtag für Jung und Alt. Mit frischen Grün, Girlanden und bunten Bändern geschmückten Leiterwagen fuhr man die Flurgrenzen ab. Nach überliefertem Brauch wollte man sich überzeugen, ob die Grenzpfähle und Grenzbäume noch unversehrt waren. Zum anderen sollte sich auch die jüngere Generation eine genaue Kenntnis der Flurgrenze aneignen. Um diese Belehrung eindringlich zu machen, zupfte man nach alter Sitte die Knaben an den Ohren oder verabreichte ihnen Ohrfeigen. Nach Beendigung des Umgangs fand ein fröhlicher Maitanz auf dem Georgenberg vor den Toren der Stadt statt. Mit der Durchführung der Separation in den Jahren 1843/44 fanden die Flurumgänge
ihr Ende.
Mit dem Verlust des Einflusses des Bleicheröder Adels in der Stadt, schuf dieser
Herrensitze in den umliegenden Dörfern.
Die Hofstellen und die dazugehörenden Ländereien wurden an ansässige freie
Bauern verkauft oder verpachtet.
So entstanden im 18. und 19. Jahrhundert Bauernhöfe entlang der ursprünglichen Siedlungsstrecke, der heutigen Hauptstraße (beginnend am Ausgang Bleichtal bis zum Georgenberg).
Die bewirtschaftete Flur reichte oft bis an die Höfe heran.
Haupterzeugnisse waren Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Flachs, aber auch Raps.
Das Vieh wurde hauptsächlich durch Weidewirtschaft ernährt. Große Rinder-und Schafherden zogen durch die Stadt.
Mitte des 18. Jahrhunderts nahm der Kartoffelanbau eine Vorrangstellung ein.
Im 19. Jahrhundert gab es noch 1 842 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, auf denen nun verstärkt Futter- und Zuckerrüben, Klee, Luzerne und Lupinen als Futter für die Viehwirtschaft angebaut wurde, aber auch Hülsenfrüchte, die als Hauptnahrungsmittel für die Familien galten.
Jeder Hof bestellte zudem jährlich ein Stück seines Ackers mit Flachs, was die Grundlage für die Herstellung des Leinentuches bildete.
Die Land- und Viehwirtschaft hatte unseren Ort in ein Ackerbürgerstädtchen verwandelt.
Die Ackerbauern lebten hier einfach und bescheiden, hatten aber bis zum Erstarken von Handel, Gewerbe und Industrie bedeuteten Einfluss auf die Stadt.
Viehzucht nahm in der Stadt ebenfalls eine bedeutende Stellung ein. Neben bedeutender Rinder-, Schaf- und Schweinehaltung fütterte sich jeder zweite Haushalt sein „Schweinchen".
Im Jahr 1945 gab es 37 landwirtschaftliche Betriebe mit insgesamt noch 548 ha Ackerfläche.
Mit der Gründung der Velsen-Schächte und dem Wachsen der Textilindustrie nahm der Wohlstand der Bevölkerung und damit die Bebauung rund um die Ackerhöfe immer mehr zu.
Die Bauernhöfe lagen nun im Stadtzentrum, und es stellte sich schon vor 1945 die Frage der Aussiedlung aus dem Stadtkern.
Mit der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft zu Beginn der 1960ger Jahre konzentrierte sich die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Nutzfläche und der Viehhaltung. Diese wurde außerhalb der Stadt verlagert.
Die großen Bauernhöfe konnten nicht mehr erhalten werden, wurden abgerissen oder verfielen.
Mit dem Aufbau der Kaliindustrie entwickelten sich Nebenerwerbslandwirte die nur eine kleine Fläche bewirtschafteten aber Rinder, Schafe und Ziegen hielten.
Mit der politischen Wende 1998/90 wurde die durch die sogenannte Sozialistische Landwirtschaft nicht mehr rentabel gestaltete Viehwirtschaft in Bleicherode eingestellt.
Nach 1990 wurde die LPG Pflanzenproduktion durch mutige Landwirte in eine landwirtschaftliche Aktiengesellschaft umgewandelt, die heute die meisten Flächen der Bleicheröder Flur rentabel bewirtschaftet.
Heute erinnern u. a. in der Hauptstraße viele große Toreinfahrten der Wohnhäuser an die ehemaligen Bauernhöfe und damit an die Bedeutung der Ackerbürger für die Entwicklung unserer Stadt.
 

 

Historischer Flurumgang - Sonntag, 24. Juni 2018

- Streckenverlauf auf der Karte ist rot markiert, ca. 10 Kilometer
- wer nicht so gut zu Fuß ist oder müde Füße bekommt, kann mit dem Kremser fahren
- Treffpunkt an der Gemeindemühle um 10.00 Uhr
- Versorgungsstand im Bereich Apostelbrücke durch den Seniorenwanderverein 1978
- Ankunft auf dem Festplatz zum gemütlichen Beisammensein bei Speis und Trank

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